Eine Freundin hatte mir und meinem Freund nach dem Rennen 2009 in Klagenfurt einen Code für die Anmeldung des Ironman Klagenfurt 2010 gekauft. Ein paar Tage später waren wir dann angemeldet und danach war das Rennen erst mal wieder aus dem Kopf, denn ich hatte ja noch das Langdistanzrennen, den Ostseeman, vor mir.
Beim Ostseeman konnte ich, wie schon im Jahr davor, Gunther beobachten,
wie er seine Athleten betreut und ordentlich angefeuert hatte und jedes mal, wenn er mich gesehen hat, bekam auch ich motivierende Worte und seine laute Tröte zu hören. Als nach dem Ostseeman das Brummen im Ohr zwar nachließ so blieb der Gedanke, Gunther zu fragen, ob er Lust hätte, mich zu trainieren. Er hatte Lust dazu und da meine Ostseemanzeit den Qualifikationszeiten für Hawaii von Klagenfurt 2009 sehr Nahe kam, war ein kleiner, stiller und auch ein bisschen heimlicher Wunschgedanke gesetzt, vielleicht auch einmal in Hawaii an den Start zu gehen. Im Dezember haben wir dann mit dem Training begonnen. Na ja, so gut es ging.
Der lange und sehr frostige Winter hatte kaum Platz für gute Trainingsbedingungen. Im März ging es dann endlich nach Malle. Das Training lief dort super und dank Gunthers Rollenprogramme war von den wenigen Radkilometern auf den nicht befahrbaren Straßen in Hamburg kaum etwas zu spüren.
Je näher der Wettkampf kam, umso größer wurde die Aufregung. Aber ich hatte ja gut trainiert und ich war programmiert auf ein gut laufendes Rennen. Meine Trainingspläne beinhalteten nicht nur wie viel Stunden ich Rad fahren, laufen und schwimmen sollte, sondern auch dass ich mir z. B. vorstelle, wie es sich an fühlt mit einer guten Zeit ins Ziel zu laufen.
Die Zeit bis zum Startschuss ging dann wieder mal rasend schnell. Nach einer viel zu kurzen Nacht mit komischen Träumen stand ich und mein Freund dann plötzlich am Rand des Wörthersee. Den kannte ich übrigens nur aus irgendwelchen Heimatfilmen aus dem Fernsehen. Aber egal, Sissi war nicht in Sicht sondern nur 2200 Athleten und eine spürbare Spannung. Wir sollten gaaaanz langsam ins Wasser gehen und dann fiel schon der Startschuss. Ich fühlte mich ein bisschen veräppelt aber nützt ja nix, beschweren war in dem Moment zwecklos. Also Schwimmbrille auf, ein Glückwunschkuss an mein Schatz und auf gehts den anderen hinterher. Das war leichter als erwartet, da ich mich in der falschen Startgruppe aufgestellt hatte. So kam ich zwar nicht total erschöpft aus dem Wasser, meine Schwimmzeit fand ich jedoch nicht so klasse. Wieder mal egal, jetzt geht es aufs Rad und entlang am wunderschönen Wörthersee. Jetzt nur nicht ablenken lassen, denn die anspruchsvolle Radstrecke erforderte aufgrund starker Füllung volle Konzentration. Nach 140 km gab es dann eine neue Herausforderung: Ein Gewitter mit Starkregen und Windböen.
Das Tempo reduziert, vor den Kurven rechtzeitig angebremst und auf sicherer Linie zurück zur Wechselzone war nun das Motto. Ich wollte nur noch heil ins Ziel kommen.
Die Sonne kam raus und das Wasser dampfte ab. Ich war voll motiviert für das Laufen. Die ersten Schritte waren ziemlich schmerzhaft in den Beinen, doch nach ein bis zwei Kilometern hatte ich meinen Rhythmus gefunden. Der hielt auch bis Kilometer 16 an und dann wurde es hart. Das erste mal Anhalten, um zu trinken und so weiter. Die Vereinskollegen und meine beiden Supporter waren meine nächsten Etappenziele und immer ein kleiner Zieleinlauf, wenn ich sie am Rand ausfindig gemacht habe. Dann stellte ich mir noch mal Gunther vor, wie er mit seiner Tröte neben mir her rennt und brüllt: „Sieht super aus Bine. Du läufst wie eine Maschine. Klasse, rööööööt, tröööööt...“ Und dann kamen endlich die letzten vier Kilometer und ein Blick auf meine Uhr sagte mir, wenn Du jetzt Gas gibst, dann schaffst Du es unter 11. Und plötzlich ging es wieder.
Verpflegungsstationen waren mir egal, nur an den Schuhen von einem flott vorbeilaufenden Läufer wollte ich dran bleiben. Aber wo ist der Abzweiger zum Zieleinlauf? Endlich, ich dachte schon, ich wäre auf der dritten Runde, sah ich ein Hinweisschild. Und jetzt konnten die vorher visualisierten Bilder Wirklichkeit werden. Der Zieleinlauf – ein wahnsinns Jubel. Mein Name durch den Lautsprecher und eine Endzeit von 10:57:32. Vierte in meiner AK.
Am nächsten Tag bei der Slotvergabe dachte ich: Na, da gehe ich mal hin. Letztes Jahr hat die vierte noch einen Platz bekommen. Im Hintergrund der Slotvergabe lief die RaceDVD und wer lief da gerade ins Ziel. ICH... cool dachte ich, dass ist bestimmt ein gutes Zeichen. Als meine AK an der Reihe war, standen drei Plätze zur Verfügung. Die zweit- und drittplatzierte Frau wollte nicht und ich bekam den zweiten Slot. Und plötzlich ist HAWAII ganz nah...
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